Gesundheit & Körperbilder
Vulven haben verschiedene Farben, sie können asymmetrisch sein & unterschiedlich behaart. Alle Vulven sind einzigartig und vollkommen normal, auch wenn sie keinen stereotypen Porno-Schönheitsidealen entsprechen. Was können jedoch Anzeichen sein, dass etwas nicht “normal” oder gesund ist? Und wie kannst Du auf die Gesundheit Deiner Vulva achten?
Abbildung einer Vulva
Wie sieht eine normale Vulva aus?
Es gibt nicht “die eine” normale Vulva - alle Vulven sehen unterschiedlich aus. Gesellschaftliche Schönheitsideale, die insbesondere in Mainstream-Pornographie reproduziert werden, denken diese Vielfalt nicht mit und beeinflussen die Körperwahrnehmung. Anatomisches Grundwissen über die Vielfalt von Vulven kann helfen, das eigene Körperbild positiv zu stärken.
Die Vulvalippen können unterschiedlich lang sein. Innere Vulvalippen können länger sein als die äußeren. Auch die Haut der Vulva ist individuell - manche Vulven sind z.B. dunkler als die restliche Haut am Körper. Die Klitorisspitze ist teilweise oder ganz von der Klitorisvorhaut bedeckt.
Hier siehst Du die Anatomie einer Vulva anhand der Modelle von glitterclit. In der Gegenüberstellung zum Penis werden die anatomischen Gemeinsamkeiten der Genitalien sichtbar:
Anatomiemodelle von glitterclit
Vulven können sich individuell verändern: Bei Testosteroneinnahme (z.B. im Rahmen einer Transition) vergrößert sich oft die Klitoris. Im Alter verändert sich die Vulva mit der Zeit. Kurzfristige Veränderungen der Vulva entstehen bspw. durch Erregung, dabei kann die Vulva anschwellen bedingt durch erhöhte Blutzufuhr. Ab der Pubertät tritt Intimbehaarung auf, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.
Wie schütze ich meine Vulva?
Für die Gesundheit der Vulva ist die richtige Intimhygiene wichtig. Die Vulva sollte nur mit lauwarmen Wasser ohne Seife gewaschen werden - auch Intimwaschlotionen sind ungeeignet. Ist die Vagina angeboren, sollte diese nicht ausgespült werden, da diese sich durch den Ausfluss selbst reinigt & Spülungen die natürliche Intimflora stören, was Infektionen begünstigt. Der Ausfluss verändert sich im Laufe des Menstruationszyklus.
Eine Neo-Vagina (durch geschlechtsangleichende Operation) braucht teilweise, insbesondere im Rahmen der OP-Nachsorge, eine andere Intimpflege. Für die richtige Pflege Deiner Neo-Vagina kannst Du Dich von Deinen behandelnden Fachärzt*innen beraten lassen.
Beim Waschen oder Abputzen nach dem Toilettengang sollte ausschließlich von vorne nach hinten gewischt werden. Auch beim Sex sollte darauf geachtet werden, dass keine Analbakterien in die Vagina gelangen. Bakterien aus dem Analbereich können das empfindliche Millieu der Vulva sowie Vagina stören und bakterielle Infektionen begünstigen. Auch Unterwäsche, die nicht atmungsaktiv ist (z.B. Polyester oder Spitze) kann bakterielle Infektionen fördern. Atmungsaktive Unterwäsche, am besten aus Baumwolle, schont den Genitalbereich.
Für sexuell aktive Menschen ist es neben Intimhygiene auch sinnvoll auf den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (kurz: STI) zu achten. Dafür eignen sich Kondome (gibt es zum Überziehen über den Penis oder zum Einführen in die Vagina) und Lecktücher. Wie Du diese Verhütungsmittel verwenden kannst, siehst Du in den Anleitungen von Liebesleben (siehe Quellen unten).
Die HPV-Impfung senkt das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen und Genitalwarzen, die durch HPV ausgelöst werden können. Humane Papillomaviren werden insbesondere beim Sex übertragen. Zu der Impfung kannst Du Dich bei Deinen behandelnden Ärzt*innen informieren.
Wann sollte ich zu Ärzt*innen?
Unabhängig von Beschwerden sollten Routineuntersuchungen bei Gynäkolog*innen 1x jährlich zur Krebsvorsorge wahrgenommen werden.
Wenn sich etwas in deinem Genitalbereich für dich unerklärbar verändert und/oder sich unangenehm anfühlt, kann eine ärztliche Abklärung helfen.
Symptome, die ärztlich abgeklärt werden sollten, sind z.B.
Schmerzen im Genitalbereich, z.B. auch situativ beim Sex oder Pinkeln
Juckreiz
Brennen
Hautveränderungen
ungewöhnlich veränderter Ausfluss (z.B. starker Geruch, Farbveränderung, krümelige Struktur)
Je nach Symptomen können Gynäkolog*innen oder andere Ärzt*innen verschiedene Tests durchführen (z.B. Blickdiagnose, Urintest, Abstrich), um die Ursache herauszufinden & anschließend zu behandeln.
Auch wenn keine Symptome auftreten, sind regelmäßige STI-Tests sinnvoll, wenn es wechselnde Sexualpartner*innen gibt. Grund dafür ist, dass STI nicht immer Symptome verursachen. Mehr Infos dazu, wann Du Dich auf Geschlechtskrankheiten testen lassen solltest, findest Du in diesem Blogartikel:
Wann sollte ich mich auf Geschlechtskrankheiten testen lassen?
& nicht vergessen: viva la VULVA!!
Zur Auseinandersetzung mit Körperbildern biete ich Events in Köln, Mannheim & online an, schau gerne vorbei!
Quellen:https://www.thevulvagallery.com/anatomyhttps://www.aidshilfe.de/medien/md/infomappe-beratung/geschlechtliche-vielfalt-in-der-beratung-trans-und-non-binaer/https://www.glitterclit.com/i/kostenloses-bildungsmaterialhttps://www.aidshilfe.de/medien/md/infomappe-beratung/stis/https://www.liebesleben.de/fuer-alle/kondome/femidome/https://www.liebesleben.de/fuer-alle/safer-sex-und-schutz/lecktuecher/https://www.liebesleben.de/fuer-alle/safer-sex-und-schutz/hygiene-und-koerperpflege/